verfasst von Leonie A. L. Nitsche 

Lesezeit: ca. 3-4 Minuten

“Ach du willst Jurist werden?”, Diese Frage wurde mir, begleitet von einem überraschten Unterton, nach meiner Bewerbung für das Jura-Studium tatsächlich öfter gestellt, als ich erwartet hätte. Was entgegnet man darauf?  Eines ist klar, Jura ist vielfältig. Persönliche Interessen gibt es wie Sand am Meer. Und spontan dem Gegenüber die alles erklärende Antwort zu bieten, scheint nahezu unmöglich. Für mich war eine Antwort Legal Tech. 

Obwohl michmeine Faszination für das Digitale schon lange begleitet, konnte ich seit Beginn meines Jura Studiums und seit meinen ersten Berührpunkten mit MLTech schnell erkennen, dass es im Bereich Legal Tech wesentlich mehr zu entdecken gibt als – salopp gesagt – Digitalisierung für Jura. Auch erwartete ich als Einsteiger nicht, konkrete Legal Tech Anwendungsbeispiele juristisch oder technisch bereits verstehen zu können. 

Wie also lässt sich Legal Tech anfängerfreundlich angehen? Im Folgenden habe ich einige Aspekte gesammelt, die das breite Feld rund um Legal Tech für mich zu Beginn meines Jura Studiums greifbarer machten. 

Legal Tech auf dem Schreibtisch Fokus im Denken 

Die Digitalisierung ermöglicht im Alltag generell meist wesentlich effizientere Workflows. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die gewählte digitale Alternative zur klassischeren Arbeitsmethode soweit ausgereift und ihre Umsetzung verstanden ist. Auch im juristischen Alltag werden die zeitsparenden Chancen digitaler Lösungsansätze immer stärker gesehen. So arbeiten Notare bereits mit den elektronischen Handels- und Testamentsregistern. Am Notartag 2021 kam darüber hinaus wieder die Einführung eines digitalen Urkundenarchivs zur Sprache, wie Legal Tribune Online im Mai 2021 berichtete. Insgesamt bemüht man sich zunehmend um eine tatsächliche Umsetzung von Legal Tech Lösungen auf dem Schreibtisch. Das impliziert bereits einen großen Vorteil, denn der technikaffine Jurist hat somit durch Legal Tech die Möglichkeit sich auf die wirklichen Kernpunkte der juristischen Arbeit, juristischen Methodik und des juristischen Denkens zu konzentrieren. 

Legal Tech als Qualitätsprädikat 

Legal Tech gibt angehenden Juristen die Möglichkeit Entwicklung zu erleben und mitzugestalten. Mit Legal Tech ist man auf dem juristischen Arbeitsmarkt nah am Geschehen und der digitalen Innovation. Es gibtbereits Kanzleien, wie beispielsweise Clifford Chance, die Spezialisierungen rund um Legal Tech ausbauen und am juristisch-digitalen Blick in die Zukunft ehrlich interessiert sind. Die Umsetzung diverser Digitalisierungskonzepte in Kanzleien gibt dabei auch Neulingen einen guten Überblick zu verschiedenen Unternehmenskulturen und -philosophien, aber auch zum Zukunftspotential einzelner Unternehmen.

Legal Tech in der Wirtschaft 

Quantitativer Spitzenreiter ist Legal Tech momentan vor allem in der Start-up-Szene. Ein Blick in die Statistiken der Neugründungen zeigt seit einigen Jahren einen steigenden Anteil Legal Tech basierter Start-up Unternehmen. Besonders erfolgreich zeigen sich dabei beispielsweise diejenigen, die damit werben, Nutzern simplen Zugang zu Rechten zu ermöglichen, für die diese Nutzer anderweitig höchstwahrscheinlich nicht eintreten würden. Das sind zum Beispiel Dienste für Flugverspätungen, Bußgeldvorwüfe oder illegale Mieterhöhungen.

In dem Buch „Legal Tech – Die digitale Transformation in der Anwaltskanzlei“, befasst sich Rechtsanwalt Christian Solmecke unter anderem tiefgreifend mit diesen Aspekten von Legal Tech im Dienstleistungsbereich.

An Ideen dazu, was sich mit Legal Tech alles erreichen ließe, sowie technischen Kenntnissen mangelt es in der Wirtschaft also nicht. Aber was fehlt? Technisch interessierte Juristen! Damit soll an dieser Stelle Juristen in keinster Weise unterstellt werden, kein Interesse an Digitalisierung oder Legal Tech zu besitzen, vielmehr hat es den meisten dieser Juristen bislang einfach an Möglichkeiten gefehlt, sich diesbezüglich aktiv einzubringen. Doch diese Zeiten sind nun vorbei, denn Legal Tech ist nicht etwa – wie manchmal vermutet – ein Risiko für versierte Juristen, sondern ganz im Gegenteil: Legal Tech könnte ohne kompetente Rechtswissenschaftler nicht bestehen!

Legal Tech als juristische Weltsprache 

Studientische Initiativen, neue Schwerpunktbereiche, moderne Seminare und internationale Events zeigen deutlicher denn je: Legal Tech ist der Trend schlechthin unter den Juristen von Morgen. Der Arbeitsmarkt, in dem sich angehende Juristen etablieren wollen, wird also durch Legal Tech Interessierte aktiv gestärkt. Eine solche gemeinsame Grundlage ist die beste Chance am Anfang eines erfolgreichen, zukunftsorientierten Berufswegs zu stehen.

Legal Tech – Fazit eines Neulings

Eine Tatsache, die mir gerade jetzt zu Beginn des Studiums auffiel, ist die breitgefächerte Motivation meiner Dozenten und Kommilitonen für das Fach. Immer wieder treffe ich auf Menschen, die sich aus den verschiedensten Gründen in juristisch und technisch geprägten Bereichen engagieren. 

Paradebeispiel ist an dieser Stelle auch MLTech. Ich kann allen Jura- und Technikinteressierten nur empfehlen einmal einen Blick darauf zu werfen. Bereits jetzt zu sehen, in welche Richtungen sich der zukünftige Arbeitsmarkt innerhalb eines meiner Interessengebiete entwickeln kann, macht nicht nur Spaß, sondern ist auch sehr motivierend.


Über die Autorin

Leonie studiert Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität und ist nebenher in der Softwarebranche tätig. Artikel schreibt sie sowohl privat, als auch beruflich und für MLTech.

Categories: Allgemein

Über den Autor

Victoria Harbers

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