Am 4. und 5. Dezember fand in Frankfurt ein echtes Highlight des Legal Tech-Jahres statt:  über 1.100 Besucher und 70 Aussteller trafen sich zur Legal Revolution, um sich über die neuesten Entwicklungen auszutauschen und brennende Fragen zu diskutieren. MLTech war mit rund zehn Mitgliedern zahlreich vertreten – und wurde auch gleich mit einem Preis geehrt.

 

 

Politische Perspektiven

Eröffnet wurde die Messe von Keynotes der Hessischen Justizministerin Eva Kühne-Hörmann sowie des Bayerischen Justizministers Georg Eisenreich. Ministerin Kühne-Hörmann stellte in ihrer Rede insbesondere aktuelle politische Schritte vor. Sie schilderte die Versuche, so unterschiedlichen Herausforderungen wie dem Cyber Grooming, der Volksverhetzung im Internet, aber auch der Verwendung von Gesundheitsdaten durch private Krankenversicherungen zu begegnen. Oft genug lautet die Antwort wohl: Verschärfung des Strafrechts. Für die werdenden ReferendarInnen nicht ganz uninteressant: Sie kündigte an, dass nach Mecklenburg-Vorpommern nun auch Hessen dazu zurückkehren will, die Rechtsreferendare auf Zeit zu verbeamten.

 

Minister Georg Eisenreich legte den Schwerpunkt besonders auf die „politischen Wertentscheidungen“, die der Legal Tech Bereich bräuchte. Er wies auf den immensen Nachbesserungsbedarf hin, der in Prozessordnungen, aber auch z.B. im Berufsrecht durch die aktuellen Entwicklungen entstanden ist. Zentral wichtig bleibe es, dass der Staat das geltende Recht auch durchsetzt.

 

 

Juristische Ausbildung

Eins der zentralen Themen des ersten Messetages war die juristische Ausbildung in Zeiten der Digitalisierung. Wird die Lehre an den Universitäten den Bedürfnissen der Studenten gerecht? Und werden die aktuellen Herausforderungen dort adäquat abgebildet?

 

 

 

Diese Fragen wurden Panel-übergreifend sehr engagiert diskutiert. PD Dr. Martin Fries sprach sich dafür aus, digitale Themen nicht nur in einzelnen Veranstaltungen isoliert zu behandeln, sondern vielmehr „wie einen Schleier“ in jede einzelne Vorlesung zu integrieren. Unsere ehemaligen Vorsitzenden Clemens Hufeld und Leah Becker stellten heraus, dass die Universität immer mehr von einem Ort zu einem (ortsunabhängigen) Service wird. Sie argumentierten nicht nur dafür, sich bei Klausuren und Kommentaren von der Papierarbeit zu verabschieden und gerade auch in der Ausbildung von den technischen Möglichkeiten Gebrauch zu machen; sie plädierten auch für ein verstärktes Zusammenarbeiten der Universitäten, um eine für alle offene „Shared University“ zu bauen, eine „Legal Tech School of Germany“. Interessante Impulse zur juristischen Ausbildung kamen auch von Meinhard Weizmann, Geschäftsführer der Bucerius Law School, der erläuterte, wie dort (zumindest teilweise) mittlerweile Klausuren korrigiert werden: Die Studierenden erhalten nicht mehr ihre korrigierten Papiere mit teils unleserlichen handschriftlichen Anmerkungen, sondern ein Video, in dem der Korrektor ihre Klausur durchgeht und an den jeweils passenden Stellen Fehler erläutert und Verbesserungsvorschläge gibt.

 

Nahezu ausschließlich mit der Ausbildung beschäftigte sich das „Lex Superior Panel“. Lex Superior, Start-Up aus Heidelberg, hat von April bis August 2019 gemeinsam mit studentischen Partnerorganisationen eine große Digitalisierungsstudie durchgeführt, im Rahmen derer über 1800 Studierende, 750 Referendare und auch 14 juristische Fakultäten befragt wurden. Untersucht wurde vor allem, wie zufrieden die Befragten mit ihrem Wissen und dem jeweiligen Ausbildungsangebot im Bereich „Digitales“ sind, aber auch ganz konkret, ob und wie sie sich z.B. eine elektronische Examensklausur vorstellen können. Die genauen Ergebnisse werden im Januar 2020 veröffentlicht. Bereits festgestellt wurde aber unter anderem, dass sich die Befragten überwiegend mehr Wissen und mehr Lehrangebote im Bereich Recht und Digitalisierung wünschen – wenn Veranstaltungen dazu angeboten werden, werden diese jedoch überwiegend sehr positiv bewertet. Ein klares „Daumen hoch“ also an die Universitäten für den Ausbau des Angebots in diesem Bereich!

 

Beim von Lex Superior gestalteten Ranking der „Digital Champions“ unter den Jurafakultäten konnte München gleich zweimal punkten: Die juristische Fakultät der LMU landete auf Platz zwei, die TUM fand für ihre aktuellen Tätigkeiten auf dem Gebiet als „Rising Star“ Erwähnung. Die LMU gewann darüber hinaus noch den Digital Award 2019 für den Besten Zugang zum Lernmaterial; und schließlich wurde MLTech, gemeinsam mit den Legal Tech Vereinen aus Frankfurt und Münster, als „Digitaler Vorreiter“ ausgezeichnet.

 

Beim anschließenden Panel zur juristischen Ausbildung diskutierten unter der Leitung von Tianyu Yuan, Gründer und Geschäftsführer von Lex Superior, die Bloggerinnen Jolanda Rose und Daniella Domokos mit Prof. Dr. Michael Beurskens von der Universität Passau und Dr. Peter Röhm, Ministerialrat in Baden-Württemberg, durchaus kontrovers, welches „Update“ die Ausbildungsinhalte benötigen. Es stellte sich heraus: Nicht bei den „alten Klassikerfällen“ (Trierer Weinversteigerung, Haakjöringsköd,  you name it) wurde der meiste Handlungsbedarf gesehen: hier wurde sogar eher noch als positiv bemerkt, dass diese gemeinsame Fallbasis ein wichtiger Teil der Kommunikation von JuristInnen untereinander ist. Als größte Herausforderung wurde am Ende die Implementierung von innovativer Lehre und innovativen Prüfungsmethoden gesehen.

 

 

 

Legal Coaching, Legal Design, Change Management

Viele an die digitale Transformation angrenzende Fragen wurden ebenfalls behandelt. Die wahre Herausforderung sei oft, technologische Neuerungen oder Änderungen im Unternehmen zu kommunizieren – so Dr. Geertje Tutschka (CLP – Coaching for Legal Professionals) in ihrem Vortrag. Wie man in einen technikbedingten Change Process im Unternehmen begleiten und vorhandene Einstellungen ändern könnte, schilderten Charlotte Falk und Paul Schirmer, Gründer der Digitalberatung Schirmer Falk Siglmüller. Auch hier gilt es insbesondere, die emotionalen Reaktionen der MitarbeiterInnen aufzufangen und zu begleiten. Abgerundet hat den Tag Astrid Kohlmeier, die einen Einblick in die vielseitigen Anwendungsfelder der Legal Design Methode gab.

 

Dazwischen haben wir natürlich mit jedem Legal Tech Unternehmen, das uns je interessiert hat, an den Ausstellungsständen spannende Gespräche geführt und viele neue tolle Menschen getroffen. Wir freuen uns aufs nächste Jahr!

Kategorien: Allgemein

Über den Autor

Lisa Buziek
Lisa hat Rechtswissenschaft an der LMU München und an der University of Oxford studiert. Mittlerweile ist sie Rechtsreferendarin am OLG München und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Recht und Sicherheit der Digitalisierung an der TU München. Sie interessiert sich besonders für die ethischen Fragen der Digitalisierung. Sie ist ausgebildete Yogalehrerin, hat ein Jahr parallel zu Jura Amerikanistik studiert und diskutiert in ihrer Freizeit gerne mit Freunden über Gott und die Welt. So kam sie auch zu MLTech.

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