Die juristische Branche durchläuft einen tiefgreifenden digitalen Wandel. Legal-Tech-Unternehmen verändern zunehmend die Art und Weise, wie Anwältinnen und Anwälte recherchieren, Verträge prüfen und ihre Kanzleien organisieren. Mit einem globalen Marktvolumen von über 31 Milliarden US-Dollar und mehr als 4,3 Milliarden US-Dollar an Venture-Capital-Investitionen allein im Jahr 2025 (+54 % gegenüber 2024) ist Legal Tech längst kein Nischenthema mehr.¹
Doch was genau sind Legal-Tech-Unternehmen? Welche Anbieter prägen den Markt tatsächlich? Und worauf sollten Juristinnen und Juristen bei der Auswahl eines Tools achten? Dieser Beitrag gibt einen kompakten, zugleich strukturierten Überblick über die wichtigsten Legal-Tech-Player in Deutschland und Europa, ihre jeweiligen Stärken und Schwächen sowie zentrale Auswahlkriterien. Er richtet sich an Studierende, vor allem aber an bereits praktizierende Juristinnen und Juristen, die sich in einem dynamischen Markt orientieren möchten.
I. Was sind Legal-Tech-Unternehmen – und welche Zwecke erfüllen sie?
Legal-Tech-Unternehmen entwickeln technologiegestützte Lösungen, die juristische Arbeitsprozesse digitalisieren, automatisieren oder optimieren. Die Entwicklung verlief dabei in mehreren Wellen: von elektronischen Rechtsdatenbanken in den 1970er-Jahren über Cloud-Software ab den 2000er-Jahren bis hin zu KI-gestützten Systemen seit etwa 2015. Seit 2022/23 gewinnt insbesondere der Einsatz generativer KI auf Basis von Large Language Models zunehmend an Bedeutung.
Um den Markt besser zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die zentralen Anwendungsfelder von Legal Tech.
Die drei Hauptnutzen von Legal Tech
1. Legal Research & Wissensmanagement
Dieser Bereich umfasst die Recherche in umfangreichen Datenbanken mit Rechtsprechung, Gesetzestexten und Fachliteratur. Moderne KI-Systeme erfassen juristische Konzepte, identifizieren Präzedenzfälle, überprüfen Zitationen und fassen Dokumente automatisiert zusammen. Bekannte Beispiele sind Westlaw, beck-online und vLex.
2. Vertragsmanagement & Dokumentenautomation
Diese Lösungen unterstützen bei der Erstellung, Prüfung und Verwaltung von Verträgen. Automation-Tools generieren Dokumente auf Basis intelligenter Vorlagen, während KI-Systeme bestehende Verträge auf Risiken und abweichende Klauseln analysieren. Zu den etablierten Anbietern zählen Harvey, Kira Systems, Legartis und LAWLIFT.
3. Practice Management & E-Discovery
Hierzu gehören die Organisation operativer Kanzleiabläufe, etwa Mandatsverwaltung, Zeiterfassung und Abrechnung, sowie die Massenanalyse von Dokumenten in streitigen Verfahren. Führende Anbieter sind Clio, DATEV und Relativity.
II. Funktionsweise und Geschäftsmodelle
Nach den Anwendungsfeldern stellt sich die Frage, wie moderne Legal-Tech-Plattformen technisch und wirtschaftlich funktionieren. In der Regel basieren sie auf Cloud-Infrastrukturen und kombinieren verschiedene KI-Technologien. Zum Einsatz kommen unter anderem Machine Learning zur Mustererkennung, Natural Language Processing zum Sprachverständnis, Large Language Models zur Textgenerierung sowie Retrieval-Augmented Generation zur Verknüpfung generativer Modelle mit spezialisierten Datenbanken.
Das dominierende Geschäftsmodell ist Software as a Service (SaaS) mit wiederkehrenden Abonnementgebühren. Abgerechnet wird meist pro Nutzer, pro Dokument oder über Enterprise-Pauschalen. Erfolgreiche Anbieter zeichnen sich dabei nicht nur durch ihre Technologie aus, sondern auch durch ihre Fähigkeit, sich nahtlos in bestehende Workflows zu integrieren – etwa über APIs oder Plugins für Microsoft Office und Dokumentenmanagementsysteme.
III. Relevante Qualitätskriterien bei der Tool-Auswahl
Wer Legal-Tech-Lösungen bewertet, sollte nicht allein auf Funktionsumfang oder Innovationsgrad achten. Entscheidend ist vielmehr ein Zusammenspiel aus technischer Leistungsfähigkeit, rechtlicher Compliance, praktischer Nutzbarkeit und strategischer Zukunftsfähigkeit.
Auf technischer Ebene sind insbesondere die Genauigkeit der KI, die Integrationsfähigkeit in bestehende Systeme, Skalierbarkeit und Performance relevant. Rechtlich bedeutsam sind vor allem die Einhaltung der GDPR, berufsrechtliche Anforderungen nach § 43e BRAO und § 203 StGB, Fragen der Datensouveränität im Hinblick auf EU- versus US-Hosting sowie Zertifizierungen wie ISO 27001, SOC 2 oder BSI C5.
Aus praktischer Sicht spielen Benutzerfreundlichkeit, Mehrsprachigkeit, Support-Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis eine zentrale Rolle. Strategisch sollten zudem Marktposition, finanzielle Stabilität, Innovationsgeschwindigkeit und Referenzkunden des jeweiligen Anbieters in die Entscheidung einbezogen werden.
Vor diesem Hintergrund lohnt sich nun ein Blick auf die wichtigsten Marktteilnehmer.
V. Die wichtigsten Legal-Tech-Player in Europa & international
1. Thomson Reuters – der Westlaw-Gigant
Thomson Reuters wurde 2008 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Toronto, Kanada. Das börsennotierte Unternehmen (NYSE: TRI) beschäftigt rund 26.400 Mitarbeitende und erzielte 2024 einen Umsatz von 7,26 Milliarden US-Dollar bei einer Marktkapitalisierung von etwa 79 Milliarden US-Dollar. Der strategische Fokus liegt klar auf Legal Research.
Mit Westlaw betreibt Thomson Reuters eine der marktführenden Plattformen für juristische Recherche. Neben einer umfassenden Abdeckung der US-Rechtsprechung bietet Westlaw mit KeyCite ein proprietäres System zur Zitationsüberprüfung. Seit 2023 verfügt die Plattform durch die Integration von CoCounsel über generative KI, die aus der Akquisition von Casetext für 650 Millionen US-Dollar hervorging.²
Die Stärken von Westlaw liegen in der außergewöhnlichen Datenbreite, dem KeyCite-System als faktischem Industriestandard sowie in fortgeschrittenen KI-Funktionen, insbesondere im Litigation-Bereich. Dem stehen sehr hohe Kosten, geringe Preistransparenz und ein ausgeprägter US-Fokus gegenüber. Für rein deutsches Recht ist die Plattform daher nur eingeschränkt geeignet. Besonders relevant ist Westlaw in Deutschland vor allem für Kanzleien mit US- oder internationalen Mandaten.
2. LexisNexis – der britische Konkurrent
LexisNexis entstand in den 1970er-Jahren und gehört zur RELX Group mit Hauptsitz in London. Die Muttergesellschaft beschäftigt konzernweit rund 36.400 Mitarbeitende und erzielte 2024 einen Umsatz von etwa 9,43 Milliarden Pfund. Kernprodukt im Legal-Tech-Bereich ist die Plattform Lexis+.
Als Co-Duopolist neben Thomson Reuters kombiniert Lexis+ klassische Recherchefunktionen mit generativer KI (Lexis+ AI) sowie dem Shepard’s-Citations-System zur Validitätsprüfung. Im Vergleich zu Westlaw weist LexisNexis eine etwas stärkere internationale Abdeckung auf.³
Die Plattform überzeugt durch globale Inhalte, präzise Zitationsmechanismen und leistungsfähige KI-Funktionen. Gleichzeitig sind die Kosten hoch, und die Benutzeroberfläche wird teilweise als komplex wahrgenommen. Auch hier dominiert ein anglo-amerikanischer Fokus. Für Deutschland ist LexisNexis insbesondere bei internationalen Mandaten relevant, da EU-Inhalte stärker vertreten sind als bei Westlaw.
3. Harvey – der KI-Shootingstar aus San Francisco
Harvey wurde 2022 gegründet und hat seinen Sitz in San Francisco. Das Unternehmen beschäftigt schätzungsweise 150 bis 200 Mitarbeitende, sammelte bislang rund 430 Millionen US-Dollar Kapital ein und erreichte Ende 2025 eine Bewertung von etwa 8 Milliarden US-Dollar. Rund 50 der Am Law 100-Kanzleien zählen zu den Nutzern.
Harvey gilt als einer der am schnellsten wachsenden Legal-AI-Anbieter. Die Plattform verfolgt einen Multi-Model-Ansatz und nutzt mehrere führende LLMs, darunter OpenAI, Anthropic Claude und Mistral. Das Angebot umfasst Recherche, Dokumentenanalyse, Vertragsprüfung sowie agentische Workflows. Gemeinsam mit OpenAI wurde zudem ein spezialisiertes Modell für Fallrecht entwickelt.⁴
Die Stärken liegen in der hohen Innovationsgeschwindigkeit und den fortgeschrittenen agentischen KI-Funktionen. Die hohen Kosten und der fehlende Fokus auf deutsches Recht machen die Plattform jedoch primär für internationale Großkanzleien attraktiv.
4. Kira Systems – Spezialist für Vertragsprüfung
Kira Systems wurde 2011 in Toronto gegründet und beschäftigt rund 200 Mitarbeitende. Das Unternehmen wurde 2021 von Litera übernommen und wird von 64 % der Am Law 100-Kanzleien sowie 84 % der Top-25-M&A-Kanzleien genutzt. Kira gilt als Marktführer im Bereich der KI-gestützten Vertragsprüfung.
Die Plattform erkennt über 1.400 Vertragsklauseln in mehr als 100 Sprachen mit einer angegebenen Genauigkeit von 95 bis 97 Prozent. Trainiert auf über einer Million Dokumenten, hat sich Kira insbesondere bei großvolumigen M&A-Transaktionen etabliert.⁵
Die Stärken liegen in der hohen Erkennungsgenauigkeit und der umfangreichen Klauselbibliothek. Die Kosten sind jedoch erheblich, und der Fokus liegt klar auf anglo-amerikanischen Vertragsstandards.
5. Clio – Practice Management trifft Research
Clio wurde 2008 in Vancouver gegründet und beschäftigt über 1.000 Mitarbeitende. Das Unternehmen hat mehr als 500 Millionen US-Dollar eingeworben und zählt über 150.000 Anwältinnen und Anwälte zu seinen Nutzern. Clio gilt als weltweiter Marktführer im cloudbasierten Practice Management.
Durch die Übernahme von vLex im Jahr 2025 für 1 Milliarde US-Dollar wurde das Angebot um Legal Research mit EU-Fokus und über einer Milliarde Rechtsdokumenten aus mehr als 100 Ländern erweitert.⁶
Die Stärken liegen in der marktführenden Stellung, einer intuitiven Benutzeroberfläche und einer Vielzahl Die Stärken liegen in der marktführenden Stellung, einer intuitiven Benutzeroberfläche und einer Vielzahl verfügbarer Integrationen. Die deutsche Lokalisierung ist jedoch bislang noch begrenzt.
V. Die wichtigsten Legal-Tech-Player in Deutschland
Nach dem Blick auf internationale Anbieter zeigt sich: Im deutschen Markt gelten teils andere Maßstäbe. Hier spielen Datensouveränität, Berufsrecht, deutsche Inhalte und lokale Integration häufig eine noch größere Rolle als reine Skalierung oder Kapitalstärke.
1. beck‑online & Noxtua – die deutsche Antwort
beck-online wurde um das Jahr 2000 eingeführt, Noxtua 2017 gegründet. Während C.H. Beck rund 2.500 Mitarbeitende beschäftigt, wird die Größe von Noxtua auf etwa 50 bis 100 Mitarbeitende geschätzt. Im April 2025 investierte C.H. Beck als Lead-Investor 80 Millionen Euro in Noxtua.
beck-online gilt als die umfassendste deutsche Rechtsdatenbank und verfügt über mehr als 55 Millionen Dokumente. Mit „Beck-Noxtua“ entsteht zugleich eine souveräne europäische Legal-AI-Lösung, die auf europäischen Rechtsdaten trainiert wird und vollständig in Europa gehostet ist. Gerade in einem Markt, in dem Datenschutz, berufsrechtliche Vertraulichkeit und die Frage nach der Herkunft der Trainings- und Hosting-Infrastruktur zunehmend an Bedeutung gewinnen, ist das ein zentraler Wettbewerbsvorteil.⁷
Die Lösung verbindet klassische Recherche mit Analyse- und Drafting-Funktionen in einem integrierten Workflow. Damit positioniert sich Beck-Noxtua nicht nur als technologische Erweiterung bestehender Datenbanknutzung, sondern als strategischer Versuch, eine belastbare europäische Alternative zu US-dominierten Legal-AI-Angeboten zu etablieren. Für Kanzleien und Rechtsabteilungen mit deutschem oder europäischem Schwerpunkt ist Beck-Noxtua derzeit eine der konsequentesten heimischen Lösungen.
2. LAWLIFT – Dokumentenautomatisierung aus Deutschland
LAWLIFT ist ein deutsches Legal-Tech-Unternehmen, das sich auf die Automatisierung juristischer Dokumente spezialisiert hat. Die Plattform ermöglicht es Kanzleien und Rechtsabteilungen, Verträge, Schriftsätze und andere juristische Dokumente auf Basis intelligenter Vorlagen effizient und standardisiert zu erstellen.
Besonders stark ist LAWLIFT im deutschen Kanzleimarkt vertreten. Die Lösung wird von mittelständischen Kanzleien, Großkanzleien und Rechtsabteilungen eingesetzt. Kooperationen mit DATEV und dem Verlag Dr. Otto Schmidt unterstreichen zusätzlich die Verankerung des Unternehmens im deutschen Rechtsmarkt.¹⁰
Die Stärke von LAWLIFT liegt vor allem in seiner hohen Praxistauglichkeit. Anders als viele internationale Anbieter setzt die Plattform weniger auf maximale Breite als auf einen klar umrissenen, im Alltag unmittelbar nutzbaren Anwendungsfall: die zuverlässige und effiziente Erstellung juristischer Dokumente. Hinzu kommen eine gute Integration in bestehende Kanzlei-Workflows sowie eine klare Ausrichtung auf deutsches Recht. Gerade für Organisationen, die weniger an experimenteller KI als an verlässlicher Standardisierung interessiert sind, ist LAWLIFT deshalb besonders attraktiv.
3. Wolters Kluwer / juris & Libra – etablierte Informationsdienste mit KI-Erweiterung
Wolters Kluwer ist ein international tätiger Informationsdienstleister mit starker Präsenz im deutschen Rechtsmarkt. In Deutschland ist das Unternehmen insbesondere über juris bekannt, eine der führenden Rechtsdatenbanken für deutsches Recht.
Im November 2025 kündigte Wolters Kluwer zudem die Übernahme des Legal-Tech-Anbieters Libra an, um KI-gestützte Recherche- und Analysefunktionen weiter auszubauen.⁸ Damit wird deutlich, dass auch etablierte Informationsanbieter ihre klassischen Datenbankmodelle zunehmend um intelligente Assistenz- und Analysefunktionen erweitern.
Die besondere Stärke von juris liegt in der tiefen Durchdringung des deutschen Rechts, der engen Verzahnung mit amtlichen Quellen sowie der hohen Akzeptanz bei Gerichten, Behörden und Kanzleien. Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu vielen neueren Legal-Tech-Anbietern: juris bringt nicht nur technologische Perspektive mit, sondern auch institutionelle Nähe, Vertrauen und eine über Jahre gewachsene Stellung im deutschen Rechtsmarkt. Durch die Integration von KI-Komponenten könnte dieses etablierte Fundament künftig um deutlich leistungsfähigere Analyse- und Assistenzfunktionen ergänzt werden.
4. Legartis – Vertragsprüfung mit europäischem Fokus
Legartis ist ein europäischer Legal-Tech-Anbieter mit klarem Fokus auf die automatisierte Vertragsprüfung. Die Plattform unterstützt Juristinnen und Juristen insbesondere bei der Analyse von Verträgen anhand vordefinierter Klauselstandards und unternehmensspezifischer Richtlinien.
Eingesetzt wird Legartis vor allem von Rechtsabteilungen und Kanzleien, die wiederkehrende Vertragsprüfungen effizienter, konsistenter und skalierbarer gestalten möchten. Der Mehrwert liegt dabei weniger in der vollständigen Automatisierung komplexer juristischer Bewertung als in der strukturierten Vorprüfung und Standardisierung wiederkehrender Prüfprozesse.
Der Anbieter positioniert sich bewusst als datenschutzkonforme Alternative zu US-Lösungen und legt besonderen Wert auf europäische Hosting-Standards sowie Compliance-Anforderungen. Gerade für Unternehmen und Kanzleien, die neben Effizienzgewinnen auch regulatorische Sicherheit und Datenkontrolle priorisieren, ist Legartis deshalb ein relevanter Anbieter im europäischen Markt.⁹
5. DATEV – Rückgrat der Kanzlei-IT im deutschen Markt
DATEV ist als Genossenschaft und IT-Dienstleister seit Jahrzehnten fest im deutschen Kanzlei- und Beratermarkt verankert. Neben klassischen Lösungen für Rechnungswesen, Lohnabrechnung und Kanzleiverwaltung bietet DATEV zunehmend auch digitale Werkzeuge zur Unterstützung juristischer Arbeitsprozesse an.
Insbesondere im Bereich Practice Management ist DATEV für kleine und mittelgroße Kanzleien häufig das zentrale System. Seine Bedeutung ergibt sich dabei weniger aus spektakulären KI-Anwendungen als aus der tiefen operativen Einbindung in den Kanzleialltag. Wo andere Anbieter punktuelle Speziallösungen liefern, stellt DATEV in vielen Organisationen die infrastrukturelle Basis dar, auf der zentrale administrative und wirtschaftliche Prozesse überhaupt erst digital abgebildet werden.
Gerade diese hohe Marktdurchdringung, die enge Verzahnung mit steuerlichen und wirtschaftlichen Prozessen sowie die starke Ausrichtung auf Datensicherheit und Compliance machen DATEV zu einem der wichtigsten deutschen Player im Legal-Tech-Ökosystem. Auch wenn DATEV im engeren Sinne nicht immer als „klassischer“ Legal-Tech-Anbieter wahrgenommen wird, ist seine Rolle für die digitale Organisation vieler Kanzleien kaum zu überschätzen.¹¹
Fazit: Orientierung im Legal-Tech-Markt
Der Legal-Tech-Markt ist derzeit klar zweigeteilt: Internationale Anbieter dominieren mit hohen Budgets, globaler Skalierung und starker technologischer Dynamik, während europäische und deutsche Player spezialisierte, datensouveräne Lösungen für kontinentaleuropäische Rechtsordnungen anbieten.
Generative und agentische KI entwickeln sich zunehmend zum Standard. Gleichzeitig gewinnt die Frage der Datensouveränität weiter an Bedeutung. Der Markt bewegt sich damit in zwei Richtungen zugleich: einerseits hin zur Konsolidierung großer Allround-Plattformen, andererseits hin zu einer stärkeren Fragmentierung durch hochspezialisierte Best-of-Breed-Lösungen.
Gerade für Juristinnen und Juristen in Deutschland bedeutet das: Die beste Lösung ist nicht zwingend die größte, sondern diejenige, die zum jeweiligen Rechtsmarkt, zum konkreten Anwendungsfall und zu den rechtlichen Rahmenbedingungen passt.
Fußnoten
1 Fortune Business Insights, „Legal Technology Market Size, Share & Growth Analysis Report“, 2025.
2 Thomson Reuters, „Thomson Reuters Completes Acquisition of Casetext“, August 2023.
3 Clio, „LexisNexis vs. Westlaw: Which Legal Research Platform Is Right for You?“, April 2025.
4 Contrary Research, „Harvey: Business Breakdown & Founding Story“, 2025.
5 Legaltech Hub, „Kira by Litera Named Leader in Contract Review“, Juli 2024.
6 vLex, „vLex Joins Clio in Landmark $1B Acquisition“, November 2025.
7 Noxtua, „Noxtua raises €80.7 Million for Europe’s sovereign Legal AI“, April 2025.
8 Wolters Kluwer, „Wolters Kluwer to Acquire Libra“, November 2025.
9 Legartis, „Legal AI in the Legal Department“, 2025.
10 Legal Tech Verband Deutschland, „LAWLIFT“, November 2024.
11 DATEV, „Geschäftsbericht 2023“, 2024.
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