Full Stack Developer, zwei Prädikatsexamen? Kann man neben Studium und Referendariat noch programmieren lernen?

 

#include <stdio.h>

int main (void)

{
printf („Liebe Leser, hallo Internet \n“);

}

 

wer sich wie wir mit dem Thema Legal Tech intensiver auseinandersetzt, hört fast täglich die Aussage:

 

„Nein, auch der erfolgreiche Jurist von morgen muss nicht programmieren können. Wichtig sind vor allem Grundverständnis und Offenheit gegenüber Veränderungen.“

 

Keine Frage, daran ist nichts falsch. Rechts- und Computerwissenschaften sind riesige Bereiche und es gibt bisher nur wenige, die einen vertieften Einblick in beide Fachgebiete vereinen können. Und ja, bis der Computer beurteilen kann, ob die Leistung nach Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte bewirkt wurde, wird wohl noch einiges an Zeit vergehen.

Darüber hinaus gibt es wohl kaum ein Studium, das noch so konservativ angegangen werden kann, wie das der Rechtswissenschaften.
Ich für meinen Teil habe gerade in der Examensvorbereitung auch Stift und Papier lieben gelernt: Gedankengänge müssen klar strukturiert werden, allein unter zeitlichem Aspekt kann nur das Wesentliche auf Papier gebracht werden.

 

Aber warum sollte man eigentlich als Jurist nicht coden können? Das Internet ist voll von kostenlosen Lernprogrammen, professionell erstellten Videos und Anleitungen.
Kaum etwas lässt sich online besser lernen, als der Einstieg ins Programmieren.

Aus dieser Überlegung heraus haben wir vor gut einem Monat bei ML-Tech eine Art Tech- Lerngruppe gegründet:
Einmal wöchentlich treffen wir uns und lernen von Null an die Grundlagen des Programmierens. Es gibt Hausaufgaben, ein Airtable für anfallende Fragen und eine wachsende Slack-Gruppe. Dieser Beitrag soll euch einen kleinen Einblick in unsere ersten Wochen geben.

 

Coding for law students?

Ja, programmieren hat am Anfang mit Jura nicht viel zu tun. Momentan gilt es für uns eher, unsere Mathekenntnisse aus der Schule wieder auszugraben und sich dringend im Zehnfingersystem zu üben.
Von dem eigenen Subsumtionsautomaten für daheim als die prophezeite Zukunft des Rechts ist es noch Lichtjahre entfernt.
Aber hey, als angehender Rechtsreferendar ist es eine willkommene Abwechslung zu der doch teils schwammigen Für-und-wider-Argumentation der Juristerei.
Habe ich meinen Code richtig geschrieben, funktioniert er, ist unterwegs etwas schief gelaufen, bekomme ich eine Fehlermeldung.
Und der Postbote wirft meinen Code auf dem Weg zum Korrektor auch nicht in den Müll.

 

Womit?

Dank der wachsenden Zahl an Informatikern in unserem Verein, wussten wir relativ schnell mit welchen Onlinekursen wir unsere ersten Gehversuche starten wollten:

 

Codecademy

codecadamy.com führt einen wunderbar übersichtlich gestaltet durch die einzelnen Schritte auf dem Weg zum Erlernen einer Sprache:

Anleitung links, Terminal in der Mitte, Konsole rechts – kleine Lernblöcke á 20 Minuten, dazwischen Projekte um das gelernte Wissen anzuwenden und Tests um es abzufragen. Seit neuestem gibt es sogar codecadamy als App um auch unterwegs die vergangenen Wochen in kurzen Einheiten zu wiederholen. Einen noch einfacheren Einstieg gibt es wohl kaum.

 

CS50

ber die von Harvard und MIT gegründete Plattform edx.org nehmen wir an der sehr bekannten „CS50 – introduction to computer science“ teil. Im Wochenrhythmus gibt es ein Bündel aus Vorlesung, Problem Set und begleitender Community. Das Niveau steigt hierbei momentan rapide an, am Ball zu bleiben ist nicht einfach.

 

Was?

Von mehreren Seiten aus wurde uns für den Anfang Python ans Herz gelegt. Also lernen wir zu Beginn auf Codecadamy Python. Im Vergleich zu anderen Sprachen, mit denen man bereits in Berührung gekommen ist, erscheint die Sprache angenehm übersichtlich. Codes sind gut lesbar und relativ knapp. Blöcke werden nicht durch geschweifte Klammern, sondern durch Einrückungen strukturiert.
Ob dies der richtige Ansatz für den Start war, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Für eine sinnvolle Einschätzung stehen wir hier aber noch zu sehr am Anfang. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden.
CS 50 setzt dagegen auf einen eher allgemeineren Ansatz und führt zu Beginn in die Computerwissenschaften an sich ein. Danach stehen neben Python auch andere Programmiersprachen wie C, SQL, JavaScript, CSS und HTML auf dem Programm.

 

Ausblick?

Full stack developer? Neben zwei Prädikatsexamen? In weiter Ferne. Muss auch nicht sein. Aber alles, was Spaß macht, uns persönlich voranbringt und beruflich hervorhebt, kann nicht schaden. Im Verein ist es sogar unsere Vision, dass sich Mitglieder über die Zeit zu „Experten“ für verschiedene Sprachen und Bereiche entwickeln und so eine entsprechende Community aufbauen. Fest steht, dass wir alle mit viel Enthusiasmus dabei sind und bisher großen Spaß am Programmieren haben. Wir hoffen, dass das weiterhin so bleibt.

 

Join the team?

Haben wir euer Interesse geweckt? Gerade unsere Slack-Community freut sich über alle, denen es ähnlich geht wie uns. Wer dran bleibt und in den nächsten Wochen genügend Zeit hat, unseren Fortschritt aufzuholen, ist herzlich willkommen. Auch sind wir natürlich immer offen für jegliche Anregung und hilfreichen Tipp. Unser Verein lebt gerade von einem regen Austausch.
Schreibt mir gerne an jonas.merk@ml-tech.org für weitere Infos.

 

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Cheers
Jonas für MLTech

Kategorien: Allgemein

Über den Autor

Jonas Merk
Jonas hat Jura in München und in Bergen studiert, im März 2019 sein 1. Staatsexamen geschrieben und 2017 MLTech mitgegründet. Hier war er zu Beginn insbesondere für den Bereich Fundraising und Sponsoring zuständig. Wenn er gerade einmal seinen Platz in der Bibliothek verlassen kann und nicht mit dem Verein unterwegs ist, geht es für ihn am liebsten mit dem Snowboard an den Füßen in die Berge oder zum Calisthenics in den Olympiapark. Motivieren kann man ihn eigentlich zu allem. Seit der MLTech Berlinfahrt sind seine Electro Swing Dancemoves legendär.

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